Ein Gespräch mit Karlheinz Deschner

Ein Gespräch mit Karlheinz Deschner

23. Mär 2010
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Missbrauch
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Karlheinz Deschner / Foto © Evelin Frerk

BERLIN. (gbs/hpd) Anlässlich des kirchlichen Missbrauchsskandals führte die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) ein Gespräch mit Karlheinz Deschner. Offensichtlich waren dessen Antworten jedoch zu pointiert, weshalb dpa plötzlich von der zugesagten Verbreitung des Interviews abrückte. Der Humanistische Pressedienst (hpd) dokumentiert nachfolgend, was deutschen Zeitungslesern vorenthalten wurde.

Herr Deschner, Sie schreiben seit Jahrzehnten eine mehrbändige „Kriminalgeschichte des Christentums“. Hat es Razzien wie im Kloster Ettal in der Kirchengeschichte schon mal gegeben?

Etwas wirklich Vergleichbares kaum, zumindest schweigt meine „Kriminalgeschichte des Christentums“ hierzu ebenso wie meine Sexualgeschichte „Das Kreuz mit der Kirche“. Dazu muss man allerdings bedenken, dass die katholische Kirche – aus bösem Grund – über Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, mit der man verhinderte, dass derart Belastendes vor den Gläubigen ausgebreitet wurde. Die Heuchelei gehört bis heute zu den widerlichsten, doch wesentlichen Charakterzügen des Christentums. Gemäß der alten Devise „si non caste caute“, wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig, unterschieden viele Päpste zwischen einer heimlichen und einer bekannt gewordenen Sünde, bei der sie die Strafe verdoppelten, ja verdreifachten. Gegen das Sündigen im Allgemeinen hat man selbstverständlich nichts, im Gegenteil, es ist den Herren sehr willkommen; davon leben sie.

Haben Sie die immer mehr bekannt werdenden sexuellen Missbrauchsfälle an katholischen Einrichtungen überrascht?

Nein, keinen Augenblick, wie gewiss keinen Kenner der kirchlichen Sexualgeschichte. Und längst laufe ich weg oder höre weg, wird das Problem, etwa in den Nachrichten, thematisiert. Überrascht hätte mich dagegen, aufs Äußerste überrascht, der Rücktritt auch bloß einiger Herren in höheren Rängen, wo man immer tut, als seien sexuelle Verfehlungen nur eine Sache des gemeinen Fußvolks!

Ist sexueller Missbrauch ein neues Phänomen in der Kirchengeschichte?

Sexuelle „Fehltritte“ aller Art sind so alt wie die Kirchengeschichte und sie florierten, je christlicher die Welt wurde, desto mehr. Die Klöster waren oft die reinsten Bordelle, doch mussten die armen Nonnen, aus Sittlichkeitsgründen nicht selten sogar der Beichtväter beraubt, auch mit Kindern vorlieb nehmen, mit Vierbeinern. Wie denn nur beispielhalber die Ritter des Deutschen Ordens, verpflichtet, ein Leben „allein im Dienste ihrer himmlischen Dame Maria“ zu führen, alles vögelten, was eine Vagina hatte, Ehefrauen, Jungfrauen, kleine Mädchen und, wie wir nicht ohne Grund vermuten dürfen, weibliche Tiere. Wie es ja auch im Vatikan, lange, sehr lange, recht locker zuging, etwa – einer für viele – Papst Sixtus IV, Erbauer der Sixtinischen Kapelle und eines Bordells, noch seine Schwester und Kinder besprang, sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, sich buchstäblich zu Tode koitierte und auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt bekam.

Sehen Sie hier allein das Versagen einzelner Menschen oder gibt es kirchliche Strukturen, die sexuellen Missbrauch, also Straftaten begünstigen?

Die Hauptursache all der Missstände, um die es hier geht, liegt in der kirchlichen Moral selbst. Sie ist weitgehend widernatürlich, sie hemmt die Sexualenergie, setzt sie in Destruktivität um, und sie führt in letzter terribelster Konsequenz vom Lustmord zur Mordlust. Auch andere religiöse wie weltliche Diktaturen wussten und wissen davon zu profitieren. Die christliche Sexualrepression führt aber nicht nur zur Steigerung des Kampfgeistes im Krieg, sie führt auch zu einem permanenten Krieg gegen sich selbst. Viele Hunderte erschütternder Briefe von Opfern klerikaler Sexualrepression haben mich erreicht, Opfern oft von kaum vorstellbarer Not. Bei andern aber sucht sich der unaufhaltbar gestaute Trieb ein Ventil für den Überdruck …

Was sollte die Kirche aus Ihrer Sicht als Kirchenhistoriker tun, um sexuellen Missbrauch in Zukunft den Boden zu entziehen?

Nicht nur, um dem sexuellen Missbrauch den Boden zu entziehen, denn der geistige ist oft noch viel schlimmer – sie sollte verschwinden…

Informationen zu Autor und Werk: http://www.deschner.info

Wofür zahlt der Staat? – Staatskirchenverträge

StaatskirchenverträgeNapoleons Vermächtnis

Die staatliche Unterstüzung der Kirchen, die auf die Zeit Napoleons zurückgeht, sollte auslaufen. Das könnte auch eine Demokratisierung der Kirche befördern. von Ernst Dohlus

Besprechungszimmer im Palais Holnstein, Amtssitz des Erzbischofs von München und Freising

Besprechungszimmer im Palais Holnstein, Amtssitz des Erzbischofs von München und Freising  |  © Peter Kneffel/dpa/lby

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Ändert Gott seine Meinungen?

Ändert Gott seine Meinungen?

Katholiken bejubeln den neuen Papst: “ermutigende Zeichen” (Alois Glück), “Erneuerungsprozess” (Wir sind Kirche), eine “Revolution, die vom Vatikan ausgeht”(La Stampa, Welt.de, 20.9.13). Gerühmt wird meist der “Stil”, der “neue Ton”, der so anders sei als der seines Vorgängers Ratzinger und Vorvorgängers Wojtyla. Doch alle drei sind bzw. waren angeblich “Stellvertreter Christi” und somit angebliche Stellvertreter Gottes auf Erden. Wenn aber der neue Papst tatsächlich anders spricht und andere Meinungen vertritt als seine Voränger – heißt das, dass auch Gott seine Meinungen und seinen Ton ständig ändert?

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Peter Hahne gießt in Bild am Sonntag (22.9.13)Wasser in den Wein und stellt fest, dass “Franziskus keinen Millimeter von der katholischen Lehre abweicht.” Das bestätigt der katholische Kirchenhistoriker Prof. Norbert Lüdecke: “Ich kann keine Revolution erkennen.” Ob der Papst “irgendwie von der amtlichen Position der Kirche … abgerückt” sei? “Nein, das kann ich überhaupt nicht sehen.” http://bit.ly/16TjJp9

Verräterisch ist ein Bild, das Papst Franz selbst verwendet: “Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht … Man muss die Wunden heilen.”http://bit.ly/1fsUH3R Doch wer hat die “Schlacht” vom Zaun gebrochen? Wer hat ungezählten Menschen körperliche und seelischen Wunden zugefügt? Das war die Kirche selbst mit ihrer Drohbotschaft und mit der Verfolgung Andersdenkender über Jahrhunderte. Ändert sich nun für den zur “ewigen Verdammnis” Verurteilten etwas, wenn man ihm das Urteil in einem etwas netteren Ton verkündet? Verdammnis bleibt Verdammnis. Wenn der Papst dann behauptet: “Die Kirche verurteilt niemanden”http://bit.ly/1faca3n, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kennt Bergoglio die Lehre seiner eigenen Kirche nicht – oder er lügt. Denn nach wie vor sind Hunderte von Dogmen in Kraft, die Menschen zu “ewiger Hölle” verurteilen, wenn sie auch nur einen Satz aus der Lehre der Kirche nicht glauben. Näheres dazu in dem Buch “Kirchliche Obere verdammen – Gott, der All-Geist nicht”: http://bit.ly/15OoEaV

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Wenn der Papst das anders sieht, landet er selbst in der Hölle. Er fordert zwar einen “Kurswechsel” in der Kirche. Doch wer könnte den vollziehen? Nur er selbst, indem er die grausamen Dogmen und Verfluchungen, denen bereits ungezählte Menschen zum Opfer fielen, außer Kraft setzen würde. Doch davon will er offenbar nichts wissen. Es scheint ihm zu genügen, den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Es fallen ja immer noch genügend Zeitgenossen darauf herein. Doch immer mehr erfassen, dass das alles mit Christus und Gott überhaupt nichts zu tun haben kann. Denn Gott hat weder “Meinungen”, noch ändert Er seine Sichtweise. Er ist die ewige Wahrheit und Liebe.

Drohender Angriff der „Koalition der Willigen“ auf Syrien: Vatikan spricht vom „Dritten Weltkrieg“

2.9.2013 – Drohender Angriff der „Koalition der Willigen“ auf Syrien: Vatikan spricht vom „Dritten Weltkrieg“ – Wenn andere solches sagen würden, sind die Kirchenbeauftragten schnell mit Verleumdungen über die „Panikmacher“, „Endzeitapostel“ zur Stelle, welche die Menschen angeblich auf unverantwortliche Weise in Unruhe und innere Not stürzen würden. Nun aber sprechen Männer aus dem Vatikan selbst aus, was sich mehr und mehr aufbaut, wenn vor allem die Kriegsherren jenseits des Atlantik nicht umkehren und den Krieg in Syrien weiter in Richtung Umsturz der bestehenden Regierung schüren. „´Der Konflikt in Syrien enthält alle Zutaten, um in einem Weltkrieg zu explodieren`“, mahnt Mario Toso, Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, am Montag Radio Vatikan“ (focus.de, 2.9.2013). Auch spricht er sich gegen die geplante völkerrechtswidrige militärische „Bestrafungsaktion“ der Obama-Regierung aus.
Der Papst selbst scheut jedoch solche eindeutigen Worte und spricht in altbewährter Kirchenmanier nur von „Nie wieder Krieg“, ohne Ross und Reiter beim Namen zu nennen und ohne seine Autorität einzusetzen, um den Wahn mit klaren Worten zu stoppen, der bei vergangenen Kriegen auch jeweils darin bestand, dass die katholischen Kriegskardinäle die Waffen auf beiden Seiten der Front segneten und die jeweiligen Soldaten tötend aufeinander loshetzten.
So könnten die Worte des päpstlichen Beauftragten auch den Zweck erfüllen, die Menschen allmählich an etwas zu gewöhnen, was allen antichristlichen Kräften als mit der Zeit unvermeidlich erscheint, wenn sich die Mächte dieser Erde nicht der vermeintlich militärisch stärksten Großmacht und ihren Regeln und verdeckten Zielen unterwerfen und beugen.
So vermeidet der Vatikan auch einen Hinweis auf die eindeutige Botschaft des Jesus von Nazareth, und zwar schlicht deshalb, weil man sich in 1700 Jahren ohnehin noch nie daran gehalten hat und je nach Entwicklung auch in Zukunft nicht daran halten wird, weswegen „katholisch“ und „christlich“ ja auch zwei völlig unterschiedliche Bekenntnisse sind. Der Vatikan mit seinem hintergründigen Wortschaukeleien hat es immer vermeintlich schlau vermieden, konkret das Handeln der Kriegsparteien als satanisch hinzustellen und er ist mit seinem Wenn und Aber nach den Maßstäben „dieser Welt“ bisher aus allen Weltkriegen als „Sieger“ hervor gegangen.
Die Worte des Jesus laut Matthäusevangelium sind aber auch: „Eure Rede ist Ja, Ja, Nein, Nein, alles andere ist vom Übel“ (5, 37). Alle offiziellen kirchlichen Stellungnahmen zum Krieg waren folglich bisher immer Beispiele für das Übel.
Foto: Wikimedia Commons Lizenz, Wolfgang Stuck 2004

Quelle:      

 DER THEOLOGE
Nr. 6

www.theologe.de ]


Die Kirche – immer für den Krieg

Dieter Potzel, Matthias Holzbauer Kirchliche Obere verdammen – Gott, der All-Geist nicht!
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Kirchliche Obere verdammen – Gott, der All-Geist nicht!
 

Ungezählte Generationen wurden mit der Horrorvorstellung eines angeblich strafenden und grausamen Gottes gequält, der einen Großteil Seiner Kinder in eine ewige Hölle schickt. All die über Jahrhunderte angehäuften Bannflüche gegen alles Nicht-Katholische sind bis heute gültiger Bestandteil der katholischen Lehre – und auch Luther lehrte die ewige Verdammnis. „Die ewige Hölle“ droht auch den eigenen Gläubigen, wenn sie auch nur an eines der Dogmen nicht glauben.
Sind also auch Sie verdammt? Finden Sie es heraus. [mehr]

 

Inhalt – Kirchliche Obere verdammen …

Vorwort 13

Sollen auch Sie ewig verdammt werden? 16

Kirchlich Verdammte werden zu Bürgern 
zweiter Klasse degradiert. 20

Verdammungsflüche verletzen die 
Menschenwürde. 24

Die subtile Manipulation des Unterbewusstseins 26

Verdammungsflüche gegen Nachfolger Jesu 
und fast die gesamte Menschheit wurden zum 
Kirchengesetz erhoben. 29

Hunderte von Verfluchungen 31

Menschen wurden durch brutale Gewalt 
gezwungen, an Fälschungen zu glauben. 32

Wer ohnehin schon verdammt ist, konnte auch 
noch gequält, gefoltert und gepeinigt werden 35

Kirchenmitgliedschaft: „Hoffen und Harren 
hält viele zum Narren.“ 37

Die Ausgrenzung im Dorf und der politische 
Verdammungsrückhalt der Kirche 39
„Mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und 
ausmerzen“ 41

Nach katholischer Kirchenlehre: Heiden, Juden 
und Ungläubige sollen in das ewige Feuer. 42

Warum werden die Großkirchen nicht von 
politischer Seite in die Schranken gewiesen? 44

Die Kirchenlehre besagt: Die Politiker haben sich 
nach der Kirche zu richten. 47

Vom kirchlichen Kunsthonig zu naschen, 
fördert die Karriere. 49

Millionen Hungertote – der Dritte Weltkrieg hat 
schon begonnen. 52

Kirchen erfüllen bis heute nicht den Willen Gottes. 55

Die kirchliche Perversion des Gotteswillens 57

Die Verhöhnung der Missbrauchsopfer 59

Nicht Gott verdammt, sondern die Kirchenoberen. 61

Der barmherzigen All-Liebe wurde eine 
unbarmherzige Höllenlehre untergeschoben. 63

Die Indoktrination beginnt mit der Nötigung 
zur Säuglingstaufe. 65

Ein Psychoanalytiker über die Aufgabe der Kirche: 
Selbstständigkeit verhindern und einschüchtern 67

Die Verdammungspriester gebärden sich, 
als wären sie größer als Gott. 68

Die Handlanger der Unterwelt halten ihre Anhänger 
blind und verfolgen die Ketzer. 71

Menschen durchschauen die mit Kunsthonig 
gesüßten Worthülsen. 73

Martin Luther sprach vom „höllischen Vater“ 
in Rom, lehrte aber ebenfalls die ewige Verdammnis. 74

Weiterhin gegenseitige Höllenzuweisung 
von Lutherischen und Katholiken 75

Wird ein seliggesprochener Papst Gefallen 
daran finden, die Höllenstrafen für evangelische 
Politiker zu schauen? 78

Ewig verdammte Steuerzahler müssen die Kirche 
mitfinanzieren. 80

Das vom Baalskult geprägte Priesterwerk straft 
die Menschen – nicht Gott, der All-Geist. 82

Der Mensch hat irgendwann zu tragen, was er 
verursacht hat. 84
Frei werden durch ein Leben in der Gottes- 
und Nächstenliebe 86

Ewig soll Jesus am kirchlichen Kruzifix hängen – 
obwohl Er doch auferstanden ist! 87

Spricht der Gott der Unterwelt durch Papstmund? 90

Jesus lehrte, kein Tierfleisch mehr zu essen. 
Wer sich daran hält, wird kirchlich ewig verflucht. 91

Kirchenaussteiger sollen trotz guter Werke 
ewig verdammt werden. 95

Gott weihte Propheten mit Seinem Wort – 
Priester weihen sich gegenseitig. 96

Nach welchem Maß werden die Kirchenoberen 
gemessen werden? 99

„Weh euch, ihr Schriftgelehrten!“ 101

„Das sind doch keine Nachfolger von Jesus.“ 103

Jesus kam auch, um die Menschen aus den 
Fängen der Priester zu befreien. 105

„Tretet aus von ihr, Mein Volk!“ 107

Dem kirchlichen Besitzanspruch die Stirn bieten 109
Herrschsucht und Machtbesessenheit der blinden 
Blindenführer 11

Ein gnadenloses und sadistisches Gottesbild, 
schlimmer als jeder Tyrann 113

Jesus lehrte uns den vergebenden Gott. 114

Auch Priester können etwas für ihre Seele tun: 
die Kirche verlassen 116

Die Einflüsterungen der Unterwelt werden dem 
Gott der Liebe untergeschoben. 118

„Seligkeit“ verstanden als sadistische Ergötzung 
am bestialischen Leid anderer 120

Papst drohte 2011 im Berliner Olympiastadion 
auf Staatskosten mit ewigem Feuer. 122

Das Märchen, die Kirche habe sich geändert 123

Als würde tiefste Dunkelheit über das Licht 
sprechen 125

Keine Auswahl möglich. Es muss das komplette 
Sortiment kirchlicher Lehre geglaubt werden. 12

Gibt es überhaupt einen Menschen, der sich 
nicht in den höllischen Maschen verfängt? 130

Sitzt jetzt die ewige Verdammnis auch auf dem 
Stuhl Petri? 131

Wenn sich Päpste gegenseitig verfluchen – 
das Beispiel von Papst Formosus 133

Der unsägliche Missbrauch des Namens Christus 
schreit zum Himmel! 136

Warum ein Priester, der ein Kind vergewaltigt hat, 
laut Kirchenlehre dessen Eltern die Sünden 
vergeben darf 140

Nach Martin Luther ist es sogar 
von „Gott“ vorherbestimmt, wer später in eine 
„ewige Verdammnis“ muss. 140

Jesus oder die lutherische Kirche: 
Wer lehrt richtig und wer falsch? 141

Die lutherische Logik: 
„Gute Taten machen alles schlimmer.“ 144

Zur Ökumene – Ist der Papst nun der Vater 
der Hölle oder der Katholiken? 146

Werfen die Politiker die Silbersubventionen 
nicht judasgleich in den Tempel der Kirchen? 148

Die Treppe von unten nach oben: 
Wer ist im Anmarsch? 149
Ein Gedankenexperiment: Ein Vater hält den Finger 
seines Kindes ins Feuer 150

Warum nehmen wir die „ewige Verdammnis“ 
nicht in das deutsche Grundgesetz auf, aber 
zahlen dafür? 151

Gott rettete die Schöpfung – warum soll er die 
Menschen dann aber „ewig“ verdammen? 152

Heiliggesprochene Verbrecher 154

„Die Wahrheit wird euch frei machen.“ 155

Wir können zu Gott, dem Ewigen, in unserem 
Herzensgrund beten. 157

Anhang 1 158

Anhang 2 181

Anhang 3 186

 
 

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Der Papst kommt – der Regenwald muss weg

Der Papst kommt – der Regenwald muss weg

SKANDAL IN BRASILIEN

16. Juli 2013 22:06; Akt: 16.07.2013 22:08

Der Papst kommt – der Regenwald muss weg

Für den Papstbesuch in Brasilien werden riesige Menschenmassen erwartet. Um genug Platz für die Pilger zu schaffen, holzte die katholische Kirche kurzerhand einen 300-jährigen Regenwald ab. Umweltschützer sind empört.

 

 

Das Kirchenrecht und die Angst um unsere Demokratie

Das Kirchenrecht und die Angst um unsere Demokratie

Die Unterwerfung aller katholischen Politiker und Richter unter den Vatikan

Andrea Nahles, Generalsekretärin und stellvertretende Vorsitzende der SPD, bezeichnete in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 24.1.2010 den Papst als den „Chef vom Ganzen“, den sie ernst nehme. Nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche zählt sie zu den katholischen Laien im Unterschied zu den Priestern.

Was aber zählt nun zu den Aufgaben der Politiker, die als katholische Laien ein politisches Amt ausüben? Oben wurde bereits die zentrale und bis heute als „unfehlbar“ geltende „Zwei-Schwerter-Lehre“ der römisch-katholischen Kirche dargelegt, welche zunächst die Unterwerfung des Staates unter die Kirche verlangt und schließlich in dem vom Papst erlassenen „unfehlbaren“ Dogma mündet: Wir erklären, sagen und definieren nun aber, dass es für jedes menschliche Geschöpf unbedingt notwendig zum Heil ist, dem Römischen Bischof unterworfen zu sein.“ Dies gilt natürlich auch für jeden Politiker. In weiteren römisch-katholischen Lehrtexten wird diese Lehre weiter präzisiert.

1 ) Der Codex Iuris Canonici:
Laien (wozu die Politiker gehören) müssen sich nach dem Lehramt der Kirche richten

 Lesen Sie dazu die heute gültigen Bestimmungen des römisch-katholischen Kirchenrechts, zitiert nach Codex Iuris Canonici (CIC)Codex des Kanonischen Rechts3. Auflage, auctoritate Ioannis Pauli PP. II promulgatus [autorisiert durch Papst Johannes Paul II.], Kevelaer 1989.

Can. 210 — Alle Gläubigen müssen je nach ihrer eigenen Stellung ihre Kräfte einsetzen, ein heiliges Leben zu führen sowie das Wachstum der Kirche und ihre ständige Heiligung zu fördern.

Can. 212 § 1 —  Was die geistlichen Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder als Leiter der Kirche bestimmenhaben die Gläubigen im Bewusstsein ihrer eigenen Verantwortung in christlichem Gehorsam zu befolgen.

Can. 225 § 1 — Da die Laien wie alle Gläubigen zum Apostolat von Gott durch die Taufe und die Firmung bestimmt sind, haben sie die allgemeine Pflicht und das Recht, sei es als einzelne oder in Vereinigungen, mitzuhelfen, dass die göttliche Heilsbotschaft von allen Menschen überall auf der Welt erkannt und angenommen wird …
§ 2 — Sie haben auch die besondere Pflicht, und zwar jeder gemäß seiner eigenen Stellung, die Ordnung der zeitlichen Dinge im Geiste des Evangeliums zu gestalten und zur Vollendung zu bringen …

PS: Und wer entscheidet, wie die „Dinge im Geiste des Evangeliums zu gestalten“ sind? Nach Can. 212 § 1 einzig die „Leiter der Kirche“, denen die katholischen Politiker gehorchen müssen. Dies wird auch noch einmal im nachfolgenden Canon 227 bekräftigt.

Can. 227 — Die Laien haben das Recht, dass ihnen in den Angelegenheiten des irdischen Gemeinwesens jene Freiheit zuerkannt wird, die allen Bürgern zukommt; beim Gebrauch dieser Freiheit haben sie jedoch dafür zu sorgen, dass ihre Tätigkeiten vom Geist des Evangeliums erfüllt sind, und sich nach der vom Lehramt der Kirche vorgelegten Lehre zu richten.

In seiner Erklärung des CIC schreibt Papst Johannes Paul II. zudem am 25.1.1983 unter anderem: „Wenn Wir daher heute den Codex promulgieren, sind Wir uns voll bewusst, dass dieser Akt von Unserer päpstlichen Autorität ausgeht und daher primatialen Charakter annimmt … Tatsächlich ist der Codex Iuris Canonici für die Kirche unbedingt notwendig … damit ihre hierarchische und organische Struktur sichtbar wird …“ (S. XV und XXI).

2 ) Katholischer Katechismus:
Eingreifen in die politischen Strukturen als Aufgabe der gläubigen Laien

 Auch die übrigen verbindlichen römisch-katholischen Lehrschriften unterstreichen die Pflichten der katholischen Politiker, in ihrem Amt die Sache der Kirche zu vertreten. So z. B. der Katechismus der Katholischen Kirche, 1997, deutsche Ausgabe der Liberia Editrice Vaticana, München 2005. Dort heißt es darüber hinaus z. B.:

Lehrsatz Nr. 899 — Die Initiative der christlichen Laien ist besonders notwendig, wenn es darum geht, Mittel und Wege zu finden, um die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten mit den Forderungen des christlichen Glaubens [PS: die aus katholischer Sicht mit den Forderungen des Papstes, des Vatikans und der Bischöfe identisch sind] und Lebens zu durchdringen …

Lehrsatz Nr. 906 — Die gläubigen Laien, die dazu fähig sind und sich dafür ausbilden lassen, können auch … an der Gestaltung der Medien mitwirken.

Lehrsatz Nr. 2442 — Es ist nicht Sache der Hirten der Kirche, in die politischen Strukturen und die Organisation des Gesellschaftslebens direkt einzugreifen. Diese Aufgabe gehört zur Sendung der gläubigen Laien …

3 ) Kirche fordert Politiker und Gläubige zum Rechtsbruch auf, wenn ein Staat dem Papst widerspricht

 Der Katechismus fordert die Bürger, und darunter auch die Politiker-Laien, auf, Widerstand zu leisten, wenn ein Staat dem Papst widerspricht. Wörtlich heißt es dazu im Katechismus der Katholischen Kirche, 1997, deutsche Ausgabe Liberia Editrice Vaticana, München 2005:

Lehrsatz Nr. 2242  — Der Bürger hat die Gewissenspflicht, die Vorschriften der staatlichen Autoritäten nicht zu befolgen, wenn diese Anordnungen den Forderungen der göttlichen Ordnung, den Grundrechten der Menschen oder den Weisungen des Evangeliums widersprechen. Den staatlichen Autoritäten den Gehorsam zu widersprechen, falls deren Forderungen dem rechten Gewissen widersprechen, findet seine Rechtfertigung in der Unterscheidung zwischen dem Dienst Gottes an der staatlichen Gemeinschaft „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt. 21, 22). „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg. 5, 29)

Was auf den ersten Blick für manchen vielleicht sogar fortschrittlich erscheinen mag, ist in Wirklichkeit aber das Gegenteil. Denn der Bürger ist keineswegs ermächtigt, selbst zu entscheiden, was die „göttliche Ordnung“ fordere oder welches die „Weisungen des Evangeliums“ seien. Dies entscheidet – bei Androhung der ewigen Verdammnis bei einer anderen Meinung – allein die „Mutter Kirche“ und damit allein der Papst. Wörtlich heißt es im Lehrbuch Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung von Josef Neuner und Heinrich Roos, neubearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger: 

Lehrsatz Nr. 93   Niemand soll es wagen,  … die Heilige Schrift im Vertrauen auf eigenen Klugheit nach seinem eigenen Sinn zu drehen, gegen den Sinn, den die heilige Mutter, die Kirche, hielt und hält – ihr steht das Urteil über den wahren Sinn und die Erklärung der heiligen Schriften zu.

Mit anderen WortenEin Bürger und auch ein katholischer Politiker werden zum Rechtsbruch in ihren Ländern aufgefordert, wann immer der Papst dies verlangt.


4 ) 
Johannes Paul II.: Päpstliches Urteil über politische Bewegungen

 Das umfangreichste Lehrbuch der römisch-katholischen Kirche ist: Heinrich Denzinger / Peter Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, 42. Auflage, Freiburg-Basel-Wien 2009. In Ergänzung zu dem Standardwerk von Neuner-Roos (siehehier) sind dort auch alle Lehrtexte in lateinischer Sprache, dem Urtext aller kirchlichen Gesetze und Dogmen, veröffentlicht. Darin werden Andrea Nahles und die anderen Politiker z. B. ausdrücklich auch auf die Instruktion der Glaubenskongregation Libertas conscientia von Papst Johannes Paul II. vom 22.3.1986 verwiesen, in welcher der Papst verbindlich für alle Katholiken festlegte:

Lehrsatz Nr. 4579 — Ebenso ist die Kirche ihrer Sendung treu, … wenn sie sich Versuchen widersetzt, eine Ordnung des gesellschaftlichen Lebens zu errichten, von der Gott [PS: wie ihn der Papst definiert] entfernt ist, ob dies aus bewusstem Widerspruch oder aus sträflicher Nachlässigkeit geschieht, und wenn sie schließlich ihr Urteil über politische Bewegungen fällt, die sagen, sie kämpften gegen Elend  und Unterdrückung, aber von Theorien und Handlungsanweisungen durchsetzt sind, die dem Evangelium [PS: wie es der Papst interpretiert] widersprechen …

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn man sich das alles so bewusst macht, dann ist eines klar: Die katholischen Laien müssen ihrer Kirche gehorchen, auch in ihrem politischen Amt. In manchen Fragen dürften sie sogar weisungsgebunden sein. Manches, was in der deutschen Politik geschieht, ist wohl nur auf diese Weise zu erklären.
Siehe dazuUnterschreiben auch Sie! Wir haben Angst um unsere gute Demokratie!

Links:
Staatliche Inquisition gegen eine Religionsgemeinschaft an einem Beispiel ausgeführt in:
http://www.steinadler-schwefelgeruch.de/buch/kapitel-3-14.html

Weitere Meldungen zum Thema „Kirche, Staat und Geld“ finden Sie auch in
Der Theologe Nr. 38 – Der Gott Mammon und seine Kinder

Der Theologe Nr. 46 – Warum zahlt der Staat immer noch so viele Millionen Euro an die Kirche?

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift „Der Theologe“, Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 23: Das Staatsross und sein kirchlicher Reiter, Wertheim 2006, zit. nach http://www.theologe.de/kirche_staat.htm, Fassung vom 20.5.2013

 

Protestwoche gegen Missbrauch in der katholischen Kirche

TRIER. Wer heute über den Domfreihof in Trier spaziert, kann ihn gar nicht übersehen, den überlebensgroßen Kirchenmann, der sich im Verschweigen und Vertuschen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche übt. Der Wagen kommt aus dem Düsseldorfer Karnevalsumzug und begleitet die Protestaktionen anlässlich der Frühjahrstagung der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die diese Woche in Trier statt findet.

Kirche will Geld: Million von der Stadt Regensburg für den Katholikentag?

Atheist Media Blog

Beim Katholikentag in Mannheim heuer weiß man jedenfalls, dass der acht Millionen Euro gekostet hat. Eingeplant waren dabei dreieinhalb Millionen Euro, die keineswegs von der Amtskirche, sondern von staatlichen Stellen kamen. Die Stadt Mannheim zahlte 1,5 Millionen. Also vom Steuerzahler.

Weiterlesen:

[http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Kirche-will-Geld-Million-von-der-Stadt-Regensburg-fuer-den-Katholikentag-;art1172,141704

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Pontifikat der Scharlatane

Pontifikat der Scharlatane

Peter Bürger 16.05.2012

Kleinbürgerliche Heimathorizonte und das Ende der katholischen Weite: Der Papst aus Bayern und der Zentralkomitee-Katholizismus sind den Herausforderungen des 3. Jahrtausends nicht gewachsen. – Eine fromme Polemik

Zum Fest Christi Himmelfahrt findet in Mannheim der 89. deutsche Katholikentag statt. Die wohl bedeutendste katholische Gestalt aus Mannheim ist der von den Nationalsozialisten hingerichtete Jesuit Alfred Delp. Er war (trotz seiner Nähe zu einigen deutsch-katholischen Ideologiekomplexen) ein kompromissloser Gegner der Faschisten. Einen Monat vor seiner Ermordung schrieb dieser Märtyrer in sein Gefängnistagebuch über den Selbsterhaltungstrieb der Kirchenmächtigen: „Wir haben die kirchenpolitische Apparatur überschätzt und sie noch laufen lassen zu einer Zeit, wo ihr schon der geistige Treibstoff fehlte. […] Es kommt einzig darauf an, welche innere Mächtigkeit die Kirche als Religion in den betreffenden Räumen besitzt. Und hier geschah die große Täuschung.“ Die Diagnose ist, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen, hochaktuell. Der Papst aus Deutschland hat geistigen Treibstoff für ein Christentum des 3. Jahrtausends allzu offenkundig nicht zu anzubieten. Der deutsche Katholizismus, der mit ihm kirchenpolitisch keineswegs immer am gleichen Strang zieht, steht leider ebenso wenig für überzeugende Alternativen einer prophetischen Kirche. Es dominieren kleine Horizonte.

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Angesichts des römischen Kamikaze-Kurses, der in absehbarer Zeit zum großen Knall führen muss, kann man sich über die Blauäugigkeit und Zaghaftigkeit mancher Laienfunktionäre nur wundern. Restituiert ist trotz des letzten Konzils ein repressiver Machtapparat, durch den sich Hans Küng – sehr zu Recht – „an Leitungskader in totalitären und diktatorischen Systemen“ erinnert fühlt.

Vom Papst ernannte Kardinäle, deren Amt in Bibel und frühchristlicher Praxis nirgendwo vorgesehen ist, wählen jeweils den nächsten Papst, der wiederum allein die neuen Kardinäle kreiert und überall in der Weltkirche alles befehlen kann. Auch die Bischöfe auf dem ganzen Erdkreis werden vom Papst so ausgewählt, dass sie – von sehr seltenen „Unfällen“ abgesehen – durchweg aus willigen Befehlsempfängern und Ausführungsbeamten bestehen …

Das sich selbst reproduzierende, auf einen einzelnen Übermenschen zugeschnittene Machtsystem ist jedoch in jesuanischer, biblischer und altkirchlicher Perspektive schlichtweg illegal. Es ersetzt die Formen rechtmäßiger Kirchenleitung durch einen Götzendienst der Macht und bedarf aus Glaubensgründen zwingend der Heilung. Dies gilt umso mehr, als Willkür und Selbstherrlichkeit dieses Systems nun wieder ungeschminkt ihr Gesicht zeigen. Zu predigen ist heute der römischen Kurie die Weisung Jesu: „Die in der Welt als Herrscher gelten, willküren nach unten herunter auf die Menschen und setzen sich ohne Rücksicht auf Verluste durch. So jedoch darf es bei euch nie sein.“ (vgl. Markus-Evangelium 10,42-43)

 

Das Zauberwort der Ratzinger-Ära: Monolog

Das unfehlbare und allmächtige Papsttum ist von einer Kirche der Angst erfunden worden, die sich 1870 dem Zeitalter dialogischer Geistigkeit durch die Konstruktion eines absurden Wahrheitsmonologes zu verweigern gedachte. Das letzte Konzil von 1962-1965 wollte diesen fatalen Umbau der Kirche zum geistigen Kriegsschiff rückgängig machen. Der Papst aus Deutschland setzt – stärker als sein polnischer Vorgänger – wieder auf die Monolog-Doktrin von vorvorgestern.

Schon in seiner Papstwahlkampfrede hat Joseph Ratzinger 2005 vor einer „Diktatur des Relativismus“ gewarnt und geklagt, ein klarer Glaube nach dem kirchlichen Credo werde „oft als Fundamentalismus abgestempelt“. Diejenigen, die Angst vor einer beziehungsfähigen Wahrheitssuche – in Relationen – haben, sind seitdem in ihren Erwartungen wahrlich nicht enttäuscht worden. Es gilt wieder mit Punkt und Komma das gedruckte Wort des zentralen Römischen Katechismus, dessen Weltbild und Sprache heute kein Religionslehrer mehr aufgeweckten jungen Leuten vermitteln kann. Als wahr gilt, was mit der platonisch-augustinischen Christologie Ratzingers konform geht.

Die Widersprüche zur bösen modernen Welt, die sich aus dem päpstlichen „Entweltlichungs“-Programm ergeben, sind durchaus etwas anderes als jene Konflikte, die Christen aufgrund einer jesuanischen Lebenspraxis aushalten müssen. Die pluralistische und dialogische Welt der Moderne soll abgeschrieben werden. „Ökumene“ wird zum Fremdwort. Nach innen aber haben alle Glieder der Kirche wie ein Einheitsblock zu funktionieren, damit die Illusion einer unangefochtenen Wahrheitsbastion aufrechterhalten bleibt.

Nach dem Katholikentag: Volle Eingliederung der Traditionalisten?

Natürliche Verbündete für ein solches Dialogverweigerungsprogramm gegenüber der „Welt“ sind die fundamentalistischen Lefebvre-Traditionalisten, die Pluralismus für Teufelswerk halten, die Zeitspanne von der Reformation bis hin zur bürgerlichen Revolution mit einem Eintritt in den Weltuntergang verbinden und Juden als Gottesmörder betrachten. Es bleibt einem die Spucke weg, wie Rom diesen Gegnern des letzten Konzils ohne Vorbedingungen alle Türen geöffnet hat und Schritt für Schritt ihren Wünschen Rechnung trägt. Sogar eine Fürbitte zur Bekehrung der Juden hat Joseph Ratzinger – ganz im Sinne der Schismatiker – wieder eingeführt, obwohl er aus Deutschland stammt und obwohl sein Großonkel Georg ein führender Vertreter des antisemitischen Sozialklerikalismus in Bayern war. Über Stilfragen kann man streiten, über diesen Kasus kann man nur weinen.

Liest man alle Informationen der letzten Jahre zusammen, so kommt der Verdacht auf, der Papst betrachte die vollständige Wiedereingliederung der rechten Fundamentalisten als oberstes Ziel seiner Amtszeit. Die treuesten Verfechter einer vorkonziliaren Kirche sollen wieder zur festen Säule im Innenraum werden, koste es was es wolle. Aus staatspolitischer Sicht gibt es da auch hierzulande riesige Probleme, denn Vertreter der Traditionalisten propagieren ja ganz offen verfassungsfeindliche Ziele. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse ließ sich deshalb von Kurienkardinal Kurt Koch Anfang des Monats beruhigen. Ohne ein klares Bekenntnis zum letzten Konzil sei eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft nicht möglich.

Was aber wird Thierse sagen, wenn kurz nach dem Ende des Katholikentages oder mittendrin ganz andere Nachrichten aus Rom kommen? Bernd Göhrig, Geschäftsführer der Initiative Kirche von unten, befürchtet bei entsprechenden Beratungen der Glaubenskongregation in dieser Woche ein schlimmes Hau-Ruck-Ergebnis: „Es geht hier um einen Deal, bei dem beide Seiten gewinnen: Der Papst beendet ein Schisma und erzielt einen Prestigegewinn – und die Bruderschaft gewinnt Handlungsfreiheit zurück. Demokratiefeindlichkeit, Antisemitismus und Hass auf Homosexuelle werden jedoch auch weiterhin das interne Klima dort prägen.“ Angemessen wäre eine klare Botschaft des Katholikentages: „Mit solch finsteren Gestalten wie den Lefebvre-Fundamentalisten stehen wir in keiner Kirchengemeinschaft!“

Die neue Ratzinger-Messe: Jesus darf seinen Weg nicht mehr für alle gehen

Dass der Papst den Sektenkurs unverdrossen durchsetzen will, zeigt auch seine jüngste Order vom 14. April 2012 an die deutschsprachigen Bischöfe. Nach dieser Anordnung soll im Eucharistischen Hochgebet die Wendung „für alle“ ersetzt werden durch „für viele“. Falls dem griechischen und lateinischen „für viele“ ein aramäischer „Wortlaut aus dem Munde Jesu“ zugrundeliegen sollte, wäre das eher ein Argument für die deutschsprachige Übersetzung.

Jesus ist für alle Menschen einen Weg gegangen, der ihn in den tödlichen Konflikt mit Machtsystemen geführt hat, die aus der Angst und der narzisstischen Störung unserer menschlichen Gattung resultieren. Dass sein Weg allen gilt, betont auch ein Einschub der ältesten Überlieferung der römischen Gründonnerstagsliturgie. Ausdrücklich [!] hat Papst Johannes Paul II. Übersetzungen nach dem Typ des deutschsprachigen Messbuches noch wenige Wochen vor seinem Tod in der Gründonnerstagsbotschaft 2005 als „legitim“ bezeichnet (man darf mit gutem Recht spekulieren, warum).

Angesichts all dieser Befunde gehen dem Papst aus Deutschland die Argumente aus. Sein Schreiben vom 14. April weist für einen angeblich brillanten Intellektuellen bemerkenswert viele Verwicklungen und Widersprüche auf. Harmlos daherkommender Formalismus soll davon ablenken, dass auch diese Order eine Konzession an die kleine traditionalistische Minderheit ist. Den größeren Zusammenhang bildet ein technokratisches Sprachdiktat, mit dem Rom schon lange gewachsene Liturgien verunstalten will. Eine erotische Theologie der Sprachenvielfalt und der vom Geistwehen eröffneten Übersetzungsräume täte im Zeitalter der Globalisierung not. Das Wahngebilde einer zentralistisch verordneten Einheitssprache gehört hingegen zum Babel-Projekt und ist im wahrsten Sinne geistlos.

(Falls Rom, wie zu befürchten steht, demnächst auch gegen den breiten Glaubenssinn der Gemeinden die Lieder des niederländischen Dichterpriesters Huub Oosterhuis aus dem Gesangbuch wegzensiert, werden wir das katholische Kulturniveau der Konzilskirche endgültig begraben und die verbohrt-spießige Kleingeistigkeit heiligsprechen müssen.)

Letztlich geht es beim absurden Verbot der Liturgie-Formel „für alle“ auch um die Frage, ob die katholische Weite Karl Rahners, des bedeutenden Kirchenvaters des 20. Jahrhunderts, oder das Festungsmodell des machtpolitisch ungleich wendigeren Joseph Ratzingers zum Zuge kommt. Viel liegt dem Papst aus Bayern daran, die dem 19. Jahrhundert verhaftete Kirchenburg seiner Eltern und seiner eigenen Kinderzeit zu konservieren. Ob jüngere Katholiken ihre Kirche des II. Vatikanums am Ende seiner Amtszeit noch wiedererkennen können, darüber macht er sich offenbar keine Gedanken.

Der Macht- und Repressionsapparat

Im Fernsehen schaut der oberste Kirchenfürst immer sanftmütig aus. Die Realität ist, dass er als Großinquisitor systematisch die Theologen der lateinamerikanischen Kirche der Armen gemaßregelt hat und noch als Papst dem Jesuiten Jon Sobrino, einem der Berater des Märtyrerbischofs San Oscar Romero, eine Maßregelungsnotifikation schicken ließ. In seinem Priesterdasein war der heutige Papst stets materiell abgesichert und vermutlich nie lebensgefährlichen Konflikten aufgrund einer Bezeugung der prophetischen Botschaft Jesu ausgesetzt. (Die Auseinandersetzungen mit frechen 68er-Studenten wird man hier wohl kaum anführen können.)

Die neuerdings eingeübte Klage, die Kirche werde wegen des Ausschlusses der Frauen und ihrer Verurteilung der homosexuellen Liebe in der modernen Welt „einem tyrannischen Maßstab“ unterworfen, ist – auch mit Blick auf die lateinamerikanischen Märtyrer – hoffentlich nicht als Anspielung auf eine moderne Variante von Kirchenverfolgung zu verstehen. Wenn sich der „Stellvertreter Christ“ bei diesen beiden von ihm selbst gemachten Konfliktfeldern in Selbstmitleid üben würde, wäre es nämlich wirklich sehr traurig um das Glaubenszeugnis der obersten Kirchenleitung bestellt.

Die historisch äußerst belastete Naturrechtsdoktrin, die der Papst zuletzt bei seiner akademischen Vorlesung im deutschen Parlament vorgetragen hat, bietet für den dringend notwendigen Diskurs über neue Formen der Barbarei wenig Hilfreiches (der Papst hätte einen Freund oder eine Freundin mit Down-Syndrom in den Bundestag mitbringen und sprechen lassen sollen, dann wäre eine Botschaft ins Land gekommen). Der kundige Zuhörer entdeckt aber unter dem Stichwort „Ökologie des Menschen“ auch in dieser Parlamentsvorlesung wieder die beiden, mit Geschlechterrollen zusammenhängenden Lieblingsthemen Joseph Ratzingers.

Frauenfrage und Homophobie im reinen Männerbund der Kirche betreffen eine zentrale Blockade aller Reformprozesse (Die große „Mutter Kirche“ und ihre Söhne. Nicht von ungefähr setzen genau hier die innerkirchlichen Repressionen der letzten Zeit an. Konservative Bischöfe wollen den Laien bei beiden Themen den Mund verbieten, was ihnen in Deutschland allerdings nur teilweise gelingt. Kritische Priester in Irland wie der Journalist Brian D’Arcy werden vom Vatikan überwacht, weil sie z.B. neben dem Zölibat auch den Ausschluss der Frauen in Frage stellen. In den USA hat es jetzt den größten Dachverband der Ordensfrauen erwischt, dessen Mitglieder für ein breites Sozialengagement der Kirche einstehen. Auch hier gehört es wieder zu den zentralen Vorwürfen, dass die allzu klugen Nonnen der kirchlichen Lehre über Frauen-Ordination und „Homo-Ehe“ nicht die Treue halten (wobei sie sich bezüglich des letzten Punktes übrigens in Einklang mit Kardinal Carlo Martini befinden).

In Irland und den Vereinigten Staaten haben Angehörige des männlichen Kleriker-Standes durch ihre sexualisierten Gewalttaten den Niedergang ganzer Landeskirchen eingeleitet. Die Kirche muss jene Kassen, die nach altkirchlicher Regel eigentlich den Armen gehören, zur „Entschädigung“ von Priesteropfern leerräumen (die Beträge bewegen sich in Milliardenhöhe). Man sollte also meinen, wie die Publik-Forum-Autorin Barbara Jentzsch zu bedenken gibt, der Vatikan habe andere Hausaufgaben zu erledigen als die Beschnüffelung von Christen, die andere Meinungen als Rom vertreten.

Ein offenes Wort an die Geschwister im ZdK und in den nahen Kirchenleitungen

An meine Geschwister im nahen Kirchenraum würde ich gerne viele freundliche Worte richten. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat z.B. in der Frage der „Judenmission“ die Umkehr des letzten Konzils unbeirrt verteidigt. Viele ZdK-Vertreter und mehrere Bischöfe, darunter sogar Kardinäle, haben sich faktisch von der aggressiven Homophobie der reinen Ratzinger-Lehre distanziert. Die Wortmeldungen aus der theologischen Zunft zeichnen sich seit geraumer Zeit durch immer mehr Qualität und Klartext aus …

Doch zur Stunde wiegt all dies angesichts einer Krise, in der sehr viele junge Leute uns Katholiken als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung betrachten, zu leicht, viel zu leicht. Streitbare Persönlichkeiten gibt es lediglich im konservativen Flügel der deutschen Bischofskonferenz. Die anderen Herren bringen allenfalls auf der Predigtkanzel eine kleine Liebeserklärung an Johannes XXIII. zuwege, doch vor den Medienmikrofonen verstummen sie, sobald die eigentlichen Zeitfragen angerührt werden. Auch ein Kardinal Karl Lehmann hat es sich bis jetzt noch nicht verdient, dereinst als couragierter Anwalt des letzten Konzils in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Geschichte der deutschen Bischofsstühle ist bekanntlich keine Geschichte von mehrheitlich mutigen Gestalten. Doch so wenig Format der Apostelnachfolger unter den Bedingungen einer relativ freien Gesellschaft, das ist schon bitter.

Die Frauen und Männer in ZdK-Gremien wissen intern ganz genau, dass der hierzulande ausgerufene Pseudodialog in der Kirche eine Alibiveranstaltung ist. Das Ganze läuft derzeit auf eine kunterbunte Anhörung ohne Folgen hinaus, bei der sich ausgesuchte Laien mal die Seele frei reden können und am Ende teure Hochglanzbroschüren erhalten. Insbesondere ist nicht zu erkennen, dass die von der theologischen Forschung klar herausgearbeiteten Verbindlichkeitskriterien für synodale Prozesse auch nur ansatzweise berücksichtigt werden. „Kabarettreif“ nennt der Jesuit Friedhelm Hengsbach diesen Etikettenschwindel.

In den nächsten zwei Jahrzehnten werden die meisten nahen Ortskirchen, die man trotz des auch vom letzten Konzil bezeugten gemeinsamen Priestertums aller Getauften noch immer dreist als „priesterlos“ bezeichnet, ausbluten. Aufgrund der herrschenden Amtspriester-Ideologie verstreicht die Frist zur Wahrnehmung jenes Zeitfensters, in dem sich der Leutekatholizismus vor Ort noch in zukunftsträchtige Kirchenmodelle transformieren könnte. Dass wir von den oberen Exzellenzen keine Hilfe erwarten dürfen, ist längst klar. Die Leute müssen also die Schlüssel ihrer Dorfkirchen in eigene Verwahrung nehmen und den frommen Ungehorsam einüben. Wenn der Bischof niemanden schicken will, dann werden eben die vor Ort anwesenden Christen Kindern von Jesus erzählen, Menschen taufen, die Frohe Botschaft auslegen, Kranke salben und helfen, den Altar des Lebens für die Gemeinde zu bereiten. Außer Magengeschwüren handelt man sich durch Anfragen bei den Autoritäten nichts ein, das ist die Erfahrung ungezählter Ortsgemeinden. Die Kirche von morgen beginnt also einfach von unten – oder es wird sie nicht geben.

Wie hilfreich bzw. verantwortungsvoll sind da Laienfunktionäre, die in Rom im Vorfeld des Katholikentages ganz autoritätshörig erklären: „Wir bleiben brav!“ Auf dem alternativen Kirchentag von unten wird mit größter Spannung der Österreicher Helmut Schüller als Sprecher einer frommen Pfarrer-Revolte erwartet, die auch in deutschen Bistümern längst Schule macht. Falls die Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken allen Ernstes bei ihrer Distanzierung von diesem Hoffnungsträger bleiben will, sollte sie sich besser nicht mehr als Sprachrohr der Laien betrachten.

 
Illustration aus dem römisch-katholischen Kriegspropaganda-Hausbuch „Sankt Michael“ von 1917.  

Deutsch-katholisches Nationalerbe und Prüfsteine der Umkehr

Aufgrund ihrer deutsch-katholischen Kriegstheologie hat besonders die Kirche unseres Landes in zwei Weltkriegen das Evangelium verraten und deshalb eine besondere historische Verantwortung, die Kollaboration des Christentums mit dem Kriegsapparat endgültig zu beenden. Der Bruder Papst aus Deutschland sollte sich von seinem „Feindbild Pazifismus“, kundgetan noch am Vorabend des Todes von Johannes Paul II., distanzieren; er sollte außerdem das von einem Rüstungskonzern erstellte Papa-Mobil abschaffen, die zur Schau gestellte Herzlichkeit an der Seite des Kriegs- und Folterpräsidenten George Bush jun. als schwerwiegenden Fehler seines Pontifikates eingestehen und in seiner Sozialenzyklika das dort fehlende Kapitel über die Hochrüstungsspirale der reichen Länder und den damit verbundenen Massenmord an den Armen der Erde ergänzen.

Die deutschen Bischöfe leben in einem Land, das inzwischen Waffenexport-Europameister ist und weltweit den dritten Platz beim Einfahren von Kriegsgüterprofiten behauptet. Ein gemeinsames Projekt aus beiden Großkirchen sorgt seit langem für kritische Aufklärung. Beim Katholikentag gäbe es die Chance, als Kirche Farbe zu bekennen. Die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Katholiken könnten geschlossen dem Trägerkreis der Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel beitreten. Eine der Forderungen der Kampagne: Das Verbot der Rüstungsexporte gehört ins Grundgesetz, denn es geht bei diesem boomenden deutschen Wirtschaftskomplex um Angriffe „auf das friedliche Zusammenleben der Völker“.

Seit dem Bischofswort „Gerechter Friede“ sind jetzt fast 12 Jahre vergangen. Die Politiker, gerade auch viele katholische, haben es sich herzlich wenig zu Gemüte geführt. Inzwischen gehören nationale Wirtschaftsinteressen zum festen Zielvorgabekatalog der deutschen Militärdoktrin (die Christenpartei will ja sogar Panzerexporte nach Saudi-Arabien mit einer Abwägung von „Werten und Interessen“ rechtfertigen). Auch hier könnten sich Bischofskonferenz und Zentralkomitee einer ökumenischen Erklärung gegen Wirtschaftskriege anschließen. Denn dass Leute, die in der Politik für militärische Interventionen zur Sicherung unseres „nationalen Wohlstandes“ eintreten, das Evangelium des Friedens verlassen haben, das muss man laut sagen – sonst wissen sie es womöglich nicht.

Beide Vorschläge hätten noch weitere große Vorzüge für alle Beteiligten. Die Zentralkomitee-Katholiken könnten nebenbei unter Beweis stellen, dass sie Gott mehr gehorchen als den Programmen der Parteien, denen sie angehören (auch die staatlichen Katholikentags-Zuschüsse würden ihr Geschmäckle verlieren). Die deutschen Bischöfe würden durch ihr unbequemes Votum ebenfalls demonstrieren, dass sie trotz ihrer horrenden Staatskirchengehälter und der staatlich finanzierten Militärseelsorge nicht gekauft sind.

Liebe Brüder Bischöfe, gerade auch die Geschichte des Bistums, in dem der Katholikentag stattfindet, sollte euch an ausstehende Wiedergutmachungen erinnern. Als der katholische Pazifist Max Josef Metzger von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt worden war, schrieb der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber einen schleimigen Brief an den Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler und distanzierte sich feige von seinem Priester. Wie wäre es, wir würden im Geiste eures Hirtenwortes von 2000 in Deutschland anfangen, eine prophetische Friedenskirche zu werden?

Parallelen weltlicher und kirchlicher Machtverhältnisse

Wenn es einen glaubwürdigen Aufbruch im deutschen Katholizismus geben soll, dann ist eine weltkirchlich ausgerichtete und streitbare Parteiergreifung für die Armen auf dem Globus das erste Gebot der Stunde. Selbstredend sind mit den seit vielen Jahren eingeklagten Kirchenreformen nur zwingend notwendige Rahmenbedingungen angesprochen, auf deren Grundlage eine gemeinsame Suchbewegung im Dienste der christlichen Gemeinde von morgen überhaupt erst möglich wird.

Überall in der Nähe und auch im größeren Kirchenschiff müsste Jesus von Nazareth, den man in einen völlig ungefährlichen platonischen Überhimmel abgeschoben hat, die Chance erhalten, wieder auf die Erde zu kommen und an unserer Seite zu gehen. Dann hätten wir wohl anderes zu tun, als uns mit klerikalen Klageliedern über die sogenannte Gotteskrise die Zeit zu vertreiben.

Dass die vorherrschende Ignoranz gegenüber den großen Zivilisationsfragen ein Skandal ist, bekunden vor dem Katholikentag auch eher bürgerlich geprägte Kreise der Kirchenreformbewegung:

Es ist […] völlig unverständlich, warum sich die Deutsche Bischofskonferenz einem zweiten ökumenischen Sozialwort verweigert. In einer Zeit, in der der private Reichtum einiger Weniger ständig weiter wächst, während eine Milliarde Menschen Hunger leiden und die Natur rigoros dem Wirtschaftswachstum geopfert wird, müssen dringend grundlegende Alternativen zum herrschenden Wirtschaften, zur herrschenden Politik diskutiert werden.

Die deutschen Diözesanbischöfe gehören mit ihrem Einkommensniveau zur Oberschicht und haben mit dem Katakombenpakt der Armenbischöfe Lateinamerikas bislang noch wenig im Sinn. Die Parteien, aus denen sich nicht wenige ZdK-Funktionäre rekrutieren, sind weithin noch der neoliberalen Religion verhaftet. Vielleicht sind die Ähnlichkeiten zwischen dem weltlichen und dem kirchlichen Machtgefüge keineswegs zufälliger Natur. Im parlamentarischen Bereich bringt es die Politik nicht einmal fertig, die allerersten kleinen Schritte einer Entschleunigung und Kontrolle der virtuellen Geldvermehrungsmaschine auf den Weg zu bringen. Das aber wäre minimale Grundvoraussetzung dafür, um über eine neue Wirtschaftsform im Dienste der Menschen überhaupt nachdenken zu können.

Im Bereich der römischen Kirche werden derweil alle Weichen so gestellt, dass am Ende nur ein Kuschel-Getto für Kleriker in Spitzenröckchen und Priesteranbetungsvereine übrig bleibt. Da wollen wir frommen Revoluzzer doch lieber unheilbar katholisch bleiben und auf die ganze Weltgeschichte schauen: „Euch, Ihr selbstverliebten Herren, gehört die Kirche nicht!“

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